# Der Wolf im Mondschein

> Eine zarte Neuerzählung von Rotkäppchen: Sam begegnet im mondbeschienenen Kiefernwald einem verletzten Wolf, der nur nach Hause zu seinen Welpen möchte.

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Last updated: 2026-03-02

- Ages 5-6
- 4 min
- Magisch
- Hörspiel

## Characters

- Sam (Daughter)
- Wolf

## Story

Die Kiefern standen hoch und silbern im Mondlicht. Ihre Nadeln flüsterten leise im Wind, als würden sie sich Geheimnisse erzählen. Zwischen den Wurzeln leuchteten Pilze — silberweiß und zart wie kleine Laternen, die jemand entlang des Pfades aufgestellt hatte.

Sam ging langsam zwischen ihnen hindurch. Ihre grüne Kapuze hatte sie sich fest über den Kopf gezogen, und in ihrem Arm trug sie einen Korb mit warmem Brot für Großmutters Häuschen. Der Duft von frischem Brot mischte sich mit dem Geruch von Kiefernharz und feuchtem Moos.

Da — ein Wimmern. Leise, fast nicht zu hören. Es kam von hinter einer breiten alten Kiefer. Sam blieb stehen. Sie legte den Kopf schief und lauschte.

Hinter dem Baum lag ein Wolf, zusammengerollt wie ein großer grauer Knäuel. Er zitterte. Er war gar nicht furchterregend — er sah eher klein aus, irgendwie, mit riesigen bernsteinfarbenen Augen und einer Pfote, die er vorsichtig in die Luft hielt.

Wolf: Ich bin auf einen Dorn getreten. Und jetzt... jetzt finde ich meinen Bau nicht mehr. Die Bäume sehen im Mondlicht alle gleich aus. Meine Welpen warten bestimmt schon auf mich.

Sam stellte ihren Korb ins Moos. Ganz langsam kniete sie sich hin, als wollte sie den Wolf nicht erschrecken. Mit ruhigen Fingern nahm sie seine Pfote und zog den Dorn vorsichtig heraus. Der Wolf hielt ganz still dabei.

Wolf: Oh. Das ist ja... viel besser. Danke.

Sam griff in ihren Korb und brach ein Stück von dem warmen Brot ab. Sie hielt es dem Wolf hin. Er schnupperte kurz — und nahm es ganz behutsam aus ihrer Hand.

Wolf: Es ist warm. Mampf. So etwas Gutes hab ich noch nie gegessen.

Sam sah ihn fragend an. Der Wolf verstand und nickte langsam.

Wolf: Mein Bau liegt an einer Trauerweide, die sich über einen Bach beugt. Dort, wo der Mond einen silbernen Pfad aufs Wasser malt. Wenn man genau hinhört, kann man das Wasser gluckern hören.

Und so gingen sie los — das Mädchen in der grünen Kapuze und der große graue Wolf, Seite an Seite, langsam und still. Die silbernen Pilze leuchteten ihnen den Weg, und der Mond schien durch die Kiefernnadeln wie durch ein Sieb aus Licht.

Wolf: Guck mal — eine Sternschnuppe! Meine Welpen hätten die gern gesehen. Die lieben Sternschnuppen.

Sam schaute hinauf. Der Himmel war voller Sterne, und tatsächlich — ein heller Streifen zog über das Dunkel, kurz und wunderschön. Sie lächelte still.

Dann hörten sie es: das leise Plätschern eines Baches. Und da stand sie — die Trauerweide, deren lange Zweige das Wasser berührten. Der Mond malte tatsächlich einen silbernen Pfad auf die Wasseroberfläche, genau so, wie der Wolf es beschrieben hatte.

Und plötzlich — wusch — schossen drei kleine Fellknäuel unter den Weidenzweigen hervor. Drei winzige Wolfswelpen, die sich auf ihren Vater stürzten, an seinen Ohren zupften und wild mit ihren Schwänzchen wedelten.

Wolf: Na, ihr drei. Ich bin ja wieder da. Ich bin ja da. Und schaut mal — ich bin mit einer Freundin nach Hause gekommen, statt mit dem Abendessen.

Sam setzte sich ins weiche Gras und teilte das restliche Brot mit den Welpen. Die kleinen Wölfe schmatzten und stupsten ihre Hände mit feuchten Nasen an. Einer rollte sich in ihrem Schoß zusammen und gähnte.

Wolf: Danke, Kleine. Du hattest keine Angst vor mir. Das vergesse ich nicht.

Sam streichelte den Welpen noch einmal über den Kopf, stand leise auf und ging weiter — den silbernen Pfad entlang, Richtung Großmutters Häuschen.

Hinter ihr, unter der Trauerweide, hob der Wolf den Kopf zum Mond und sang. Es war kein Heulen. Es war ein Lied — leise und warm, ein Dankeschön, das durch die Kiefern schwebte und Sam den ganzen Weg begleitete. Und als sie bei Großmutters Tür anklopfte, da summte sie es noch leise vor sich hin.

Gute Nacht, kleine Sam. Gute Nacht, großer Wolf. Und gute Nacht, ihr drei kleinen Welpen unter der Trauerweide am Bach.

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